Freisinger Tagblatt  -Sport-   02.12.2003 

Der Top-Secret-Neuling überzeugt
Hallbergmooser freuen sich diebisch über ihren gelungenen Coup

 
Hallbergmoos
 

  Man kennt sich im Ringen untereinander recht gut und die Insider auf den Trainerbänken können sich eigenlich kaum mehr überraschen. Denkste! In den Augen der Weingartner Ringer und Betreuer stand das pure Entsetzen, als am Samstag kurz vor 19 Uhr beim Wiegen die Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm aufgerufen wurde.

In dem Moment schockte der SV Siegfried seinen direkten Gegner um Platz vier und sorgte für eine große Überraschung der letzten Jahre im deutschen Bundesligaringen. Nur ein gutes Dutzend Leute wurde eingeweiht, als der Iraner Pejman Dorostkar, der Gewinner der Asienspiele, vor einem Jahr eine Lizenz für Hallbergmoos unterschrieben hatte. Der Deal damals bedeutete, dass der Iraner nach abgelaufener Sperre in der Bundesliga 2003 würde ringen können. Das Ziel war klar: Zum Hinrundenkampf in Weingarten wollte man mit dem Überraschungsgast den SV Germania Weingarten schocken. Bekanntlich verloren die Hallbergmooser den Hinkampf, damals war Dorostkar nicht dabei. Grund war der Antrag auf ein Visum für Deutschland, der bei den Behörden nicht rechtzeitig bearbeitet werden konnte. Die Zeit drängte und deshalb wurde hinter den Kulissen hektisch, aber weiter lautlos gearbeitet.

Siegfried-Vorsitzender Sepp Niedermair gewann Landrat Manfred Pointner, der zusammen mit der zuständigen Behörde des Landratsamtes das Visum besorgte. Der Überraschung stand nun nichts mehr im Wege. Kurze Zeit schienen die SVS-Verantwortlichen irritiert, als Willi Ullrich, der Trainer des SV Germania Weingarten, in einem FT-Interview davon sprach, dass er im Mittelgewicht Freistil mit einer Überraschung rechne. Hatte er von Dorostkar erfahren? Am Samstagabend war klar: man hatte das Comeback von Georg Schatz erwartet und wurde auf dem falschen Fuß erwischt.

Die Siegfried-Fans lernten ihren Perser erstmals am Samstag kennen, als er tolle Aktionen hervorzauberte. Dorostkar, so der Eindruck, könnte der Mann für das Spektakuläre werden. Gut, dass er sich binnen einer Woche akklimatisiert hatte. "Der ist ein supernetter Kerl", sagte sein Trainingspartner Rainer Morasch, der schon viel von dem iranischen Weltstar lernte. Nach der 9:0-Demonstration gegen Weingartens Franz Peter war Morasch erleichtert: "Jetzt weiß ich auch, warum ich in einer Woche Training nicht einen einzigen Wertungspunkt gegen den geschafft habe." Der Ringer selbst genoss mit seinen beiden Freunden und Übersetzern Mahmoud und Jahanshah Karimi seinen großen Abend. Trainer Sepp Fritsch will nun in den nächsten Kämpfen taktisch entscheiden, ob Dorostkar oder Lernik Vanjan ("Ich gebe zu bedenken, dass der auch noch ungeschlagen ist") ringen wird. Die Botschaft des Gastes aus Persien war klar: "Ich wäre bereit!"
 
Der neue Publikumsliebling: Pejman Dorostkar dreht nach seinem Sieg im SVS-Dress eine Ehrenrunde.                       Foto: Bauer


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Nico Bauer