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Man kennt sich im Ringen untereinander recht gut und die Insider
auf den Trainerbänken können sich eigenlich kaum mehr
überraschen. Denkste! In den Augen der Weingartner Ringer
und Betreuer stand das pure Entsetzen, als am Samstag kurz vor
19 Uhr beim Wiegen die Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm aufgerufen
wurde.
In dem Moment schockte der SV Siegfried seinen direkten Gegner
um Platz vier und sorgte für eine große Überraschung
der letzten Jahre im deutschen Bundesligaringen. Nur ein gutes
Dutzend Leute wurde eingeweiht, als der Iraner Pejman Dorostkar,
der Gewinner der Asienspiele, vor einem Jahr eine Lizenz für
Hallbergmoos unterschrieben hatte. Der Deal damals bedeutete,
dass der Iraner nach abgelaufener Sperre in der Bundesliga 2003
würde ringen können. Das Ziel war klar: Zum Hinrundenkampf
in Weingarten wollte man mit dem Überraschungsgast den SV
Germania Weingarten schocken. Bekanntlich verloren die Hallbergmooser
den Hinkampf, damals war Dorostkar nicht dabei. Grund war der
Antrag auf ein Visum für Deutschland, der bei den Behörden
nicht rechtzeitig bearbeitet werden konnte. Die Zeit drängte
und deshalb wurde hinter den Kulissen hektisch, aber weiter lautlos
gearbeitet.
Siegfried-Vorsitzender Sepp Niedermair gewann Landrat Manfred
Pointner, der zusammen mit der zuständigen Behörde des
Landratsamtes das Visum besorgte. Der Überraschung stand
nun nichts mehr im Wege. Kurze Zeit schienen die SVS-Verantwortlichen
irritiert, als Willi Ullrich, der Trainer des SV Germania Weingarten,
in einem FT-Interview davon sprach, dass er im Mittelgewicht Freistil
mit einer Überraschung rechne. Hatte er von Dorostkar erfahren?
Am Samstagabend war klar: man hatte das Comeback von Georg Schatz
erwartet und wurde auf dem falschen Fuß erwischt.
Die Siegfried-Fans lernten ihren Perser erstmals am Samstag kennen,
als er tolle Aktionen hervorzauberte. Dorostkar, so der Eindruck,
könnte der Mann für das Spektakuläre werden. Gut,
dass er sich binnen einer Woche akklimatisiert hatte. "Der
ist ein supernetter Kerl", sagte sein Trainingspartner Rainer
Morasch, der schon viel von dem iranischen Weltstar lernte. Nach
der 9:0-Demonstration gegen Weingartens Franz Peter war Morasch
erleichtert: "Jetzt weiß ich auch, warum ich in einer
Woche Training nicht einen einzigen Wertungspunkt gegen den geschafft
habe." Der Ringer selbst genoss mit seinen beiden Freunden
und Übersetzern Mahmoud und Jahanshah Karimi seinen großen
Abend. Trainer Sepp Fritsch will nun in den nächsten Kämpfen
taktisch entscheiden, ob Dorostkar oder Lernik Vanjan ("Ich
gebe zu bedenken, dass der auch noch ungeschlagen ist") ringen
wird. Die Botschaft des Gastes aus Persien war klar: "Ich
wäre bereit!"
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Der
neue Publikumsliebling: Pejman Dorostkar dreht nach seinem
Sieg im SVS-Dress eine Ehrenrunde. Foto:
Bauer |
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