[te] Eine Medaille war das Ziel, die hervorragende Silbermedaille ist es schließlich geworden. Bei der Deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft feierten die Siegfried-A/B-Jugendlichen den Einzug ins Finale, mussten dort zwar der SG Eichen-Rümmingen mit 14:22 den Vorzug lassen, konnten im Anschluss aber mit dem Vize-Titel einen super Abschluss der diesjährigen Deutschen Meisterschaften feiern und an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen. Vorausgegangen war eine wahre Nervenschlacht, die kein Krimi-Autor hätte spannender schreiben können. Aber von Beginn an.
Ein Reisebericht
Hallbergmoos, Freitag 1. Mai 2009, 7:00 Uhr: Die aus 12 A/B-Jugendlichen bestehende Siegfried-Mannschaft trifft sich an der Hallberghalle, um zusammen mit 42 (!!!) Fans und Eltern die Reise ins südbadische Hausen-Zell in Angriff zu nehmen.
Pünktlich trifft auch der gecharterte Bus ein, am Steuer unser treuer Begleiter Hanse Eberhard vom Patenverein SpVgg Freising. Es geht auf die 450-Kilometer lange Reise zur südbadischen RG Hausen-Zell, die sich für die Durchführung der Deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft verantwortlich zeichnete. Doch bereits nach wenigen hundert Metern werden die in den Startlöchern sitzenden Kartenspieler im Bus ausgebremst. Zusammen mit dem ehemaligen Cheftrainer starten wir den verzweifelten Versuch, den ehemaligen Co-Trainer in dessen Wohnung zu überzeugen, sich doch noch der Reisegesellschaft anzuschließen. Doch vergebens. Die Geburtstagsfeier seines Sohnes Damian hatte wohl doch länger gedauert als angenommen. Wenigstens dieser geht mit an Board, was im Hinblick auf die Mannschaft von größerer Bedeutung war. Nachdem man auch noch Moritz aufgelesen hatte, bewältigt der Trupp die Strecke mit mehreren Pausen - zur Erleichterung einiger Insassen - ohne Probleme und trifft gegen 14 Uhr in Schopfheim/Wiechs ein. Im dortigen Hotel Krone beziehen wir Quartier, bevor es in die Zeller Stadthalle geht.
Zell im Wiesental, Freitag 1. Mai, 16:15 Uhr: Es wird spannend. Nach einer Besprechung der teilnehmenden Mannschaften - 13 an der Zahl - mit den Organisatoren und Verantwortlichen des DRB geht es zur Auslosung der beiden Pools. In der alphabetischen Reihenfolge der Landesverbände werden die Lose gezogen. Als Titelträger des Landesverbandes Bayern bleibt es uns vorbehalten, das erste Los zu ziehen. Julian Gebhard, unser Glücksbringer der vergangenen Jahre, lost uns im Pool B an Position 1. Jetzt heißt es abwarten, wer und an welcher Stelle noch in unserem Pool landet. Nürnberg zunächst nicht, doch dann bereits der erste Hammer. Titelaspirant KSC Hösbach zieht das Los B-6. Bald erfolgt aber Erleichterung, nachdem sich weitere hochklassige Teams in Pool A losen, darunter Titelverteidiger KSV Köllerbach, der Saarlandmeister RV Riegelsberg sowie der Geheimfavorit SG Eichen-Rümmingen. Bis zuletzt allerdings müssen wir warten, bis der erste Gegner feststeht. Mit dem Gastgeber RG Hausen-Zell ist dies schließlich eine Mannschaft, die man sich zum Auftakt nicht gewünscht hatte. Denn auch diese zählte nicht zuletzt aufgrund ihres Heimvorteils zum erweiterten Favoritenkreis. Ansonsten konnte man durchaus zufrieden sein mit der Pool-Auslosung. Nachdem auch das Wiegen ohne Probleme über die Bühne gegangen war, begann das Kribbeln vor dem ersten Kampf.
19:15 Uhr: Die Mannschaft betritt die Matte. Die Anspannung ist spürbar, hatte man sich doch im Vorfeld eine Medaille ausgerechnet, ein Auftaktsieg daher nicht nur für das Selbstvertrauen Pflicht. Nach durchwachsenem Start mit einem Sieg von Neuzugang Alex Kessidis und Niederlagen von Thomas Kaufmann und Michael Schmid, starten die Jungs richtig durch, gewinnen sechs der restlichen sieben Kämpfe (Siege von Gebhard, Kurz, Prill, T. Kopp, Oberhauser, Fritsch, Niederlage von M. Kopp) und besiegen die RG überraschend hoch mit 25:12-Punkten. Erleichtert durch den wichtigen Auftakterfolg bedankt sich das Team mit einer Laola-Welle bei seinen Fans.
Dass dieser hohe Sieg schließlich ausschlaggebend für den Final-Einzug werden sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen. Die erste kleine Überraschung ist ebenfalls schon perfekt. Titelverteidiger Köllerbach unterliegt der SG Eichen-Rümmingen relativ deutlich mit 10:24. Wir dagegen fahren gelöst zurück ins Hotel zum gemeinsamen Abendessen. Während einige noch das hoteleigene Hallenbad nutzen, gehen andere ihrer zweiten Leidenschaft neben dem Ringen nach. Bis spät in die Nacht tönen Rufe wie "Call", "Raise" bzw. "Trumpf oder Kritisch" durch das Restaurant. Aus Rücksicht auf das Liebesleben der Bedienungen löst sich schließlich auch die Kartenrunde gegen ein Uhr auf.
Samstag, 2. Mai 2009, 7:00 Uhr: Die ersten Frühaufsteher treffen beim Frühstück ein. Das reichhaltige Angebot lässt keine Wünsche offen. Nach und nach füllt sich der Frühstücksraum. Die Mannschaft ist komplett, nicht aber die Anzahl der Zimmerschlüssel. Nach mehrmaligen Nachfragen wäre aber auch dieses Problem gelöst. Trotz dieser Verzögerung geht es pünktlich um 8:30 Uhr zurück in die Wettkampfhalle. Und die 10 Minuten Fahrt werden natürlich sinnvoll genutzt, heißt es doch, sich das Mittagessen beim Kartenspielen zu finanzieren.
9:00 Uhr: Die Kämpfe beginnen - zunächst wiederum mit den Begegnungen im Pool A. Dabei unterliegt u.a. der zweite bayerische Vertreter Nürnberg gegen Titelverteidiger Köllerbach.
9:45 Uhr: Es wird wieder ernst für unser Team. Zweiter Gegner ist der württembergische Vertreter AB Aichalden. Der Athletenbund war mit einem 34:4-Kantersieg über die AV 03 Speyer ins Turnier gestartet und daher ebenfalls hochmotiviert. Gegenüber der Aufstellung vom Vortag ergibt sich eine Änderung im SVS-Kader. Anstelle von Thomas Kopp steht Mathias Fritsch im Aufgebot bis 63 Kilogramm. Und dann beginnt der nervenaufreibende Kampf. Alex Kessidis hat seinen Gegner im Griff und gewinnt die erste Runde 4:1. Auch in Runde zwei geht Alex in Führung, lässt sich dann aber mehrmals mit einem Kopfzug überraschen, verliert Runde zwei mit 5:10. Auf einmal völlig verunsichert kommt es zum Entsetzen der Fans zur Schulterniederlage in Runde drei. Es bleibt nicht die einzige Überraschung. Ein Sieg und eine weitere Niederlage folgen. Dann betritt Florian Gebhard die Matte und zeigt zunächst schönes Freistil-Ringen. Einem ungefährdetem 6:0 in Runde eins folgt die Ernüchterung. Kopfzug Nummer zwei seines Gegners wird Flo zum Verhängis, aus dem er sich nicht mehr befreien kann. Lange Gesichter in der Siegfried-Ecke beim Blick auf den Zwischenstand: 4:12. Herzlich willkommen im Matten-Krimi! Einer bleibt völlig gelassen. Mannschaftsführer des SVS-Oberligateams Georg Wagner, der am Samstag nachgereist ist, vertraut auf die Stärken der restlichen Siegfried-Ringer und behält - wie dann nicht anders zu erwarten - Recht. Während Michael Kopp bei seiner 0:3-Niederlage eine Runde rettet, brennen Kurz, Prill, M. Fritsch, Oberhauser und A. Fritsch ein wahres Grifffeuerwerk ab und führen das Team mit jeweils 4 Mannschaftspunkten zum letztlich doch deutlichen 24:15-Erfolg.

Zur Beruhigung der Nerven erst einmal ein Weißbier am Bierbrunnen, an dem sich die Siegfried-Anhänger einig sind, dass dies der richtige Zeitpunkt war für den Schuss vor den Bug (... 5 Euro ins Phrasenschwein). Sollten sie damit Recht behalten?
Sowohl der AV 03 Speyer als auch der VfK Mühlenbach müssen nach Runde zwei die Segel streichen. Somit kommt es bereits in Runde drei für den SVS zum Kampf gegen den Titelfavoriten KSC Hösbach, der zuvor die eben genannten Mannschaften deutlich besiegen konnte.
11:30 Uhr: Der Krimi erhält seine Fortsetzung. Von den ersten fünf Kämpfen gewinnt Hösbach vier, lediglich Thomas Kaufmann macht kurzen Prozess und gewinnt auf Schulter. Michael Schmid und Alex Kessidis müssen den Gegnern 4 Mannschaftspunkte überlassen. Dominic Kurz und Florian Gebhard holen bei ihren Niederlagen noch jeweils einen wichtigen Mannschaftspunkt, wobei es beide in der dritten Runde versäumen, den Sieg zu erzwingen. Kurz verliert durch eine Einser-Wertung, Gebhard lässt die große Chance aus, gegen den völlig ausgepowerten Niklas Schäfer den Sack zu zumachen. Wie schon im Kampf gegen Aichalden laufen wir so einem deutlichen Rückstand hinterher (6:14). Doch die Mannschaft zeigt erneut Moral und Kämpferherz.
Michael Prill fegt seinen Gegner mit zwei Fünfer-Wertungen von der Matte, die Initialzündung. Thomas Kopp und Moritz Oberhauser bringen das Team mit ihren Siegen auf einen Punkt heran. Vor dem abschließenden Kampf steht es somit 17:18 aus unserer Sicht. Zwei gleichstarke Gegner stehen sich gegenüber. Für Hösbach Gianluca Keimig, für uns Alexander Fritsch. Auf geht's Alex! Beide schenken sich nichts, es geht hin und her. Doch dann doch eine Einser-Wertung für den Hösbacher zum Rundengewinn. Noch ist nichts verloren, der Team-Erfolg noch greifbar. Die Spannung ist auf dem Höhepunkt, als Alex den Punkt zum Gewinn der zweiten Runde macht. Nicht nur, dass der letzte Kampf die Entscheidung bringen muss, nein, jetzt entscheidet sogar noch die aller letzte Runde über Sieg und Niederlage. Fans vor dem Nervenzusammenbruch! Der Countdown beginnt. Doch gleich eine Einser-Wertung für Keimig, aber noch genügend Zeit zum Ausgleich. Alex versucht alles, doch es soll keine Wertung fallen für ihn. Er riskiert nun alles... AUS! Weitere zwei Punkte bringen die Entscheidung für den 18:21-Sieg von Hösbach. Jubel auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite. Alles gegeben und doch verloren, so grausam kann Sport sein. Den so sehr ersehnten Finaleinzug verpasst und das Zittern vor dem kleinen Finale. Wieder nur Blech wie schon 2007? Nein, daran verschwenden wir keinen Gedanken, lieber nen Schluck zur Beruhigung.
Langsam wird es uns bewusst, noch ist nicht alles vorbei.
Kopf und Kapitän der Mannschaft Mike Prill macht dem Team Mut! Noch habe Hösbach nicht gegen den Gastgeber Hausen-Zell gewonnen. Ein Funke Hoffnung für den Traum vom Finale besteht noch. Je näher der Zeitpunkt dieser Entscheidung rückt, desto größer wird der Glaube daran. Vertieft in Fachsimpelei plötzlich die Nachricht aus der Halle, Hausen-Zell führt nach vier Kämpfen bereits mit 12:4-Punkten gegen Hösbach. Nichts wie rein in die Halle. Das Eck der Gastgeber füllt sich nach und nach mit Hallbergmoosern. Freibier-Versprechungen machen die Runde durch die Halle. Doch Hösbach kommt wieder heran auf 12:11. Willkommen zurück im Krimi! Noch vier Kämpfe, Hallbergmooser und Hausen-Zeller vereint im Anfeuern. Und das Unfassbare passiert. Hausen-Zell zieht davon! 16:11, 19:11, 19:15, 22:15, Sieg für Hausen-Zell!!! Jetzt gibt es kein Halten mehr. Alle Hallbergmooser liegen sich in den Armen!

Um 14:15 Uhr steht es endgültig fest: F I N A L E - OH OH - F I N A L E - OH OH OH OH!
Danke Steven, Simon, Jonas, Manuel, Wanja, Sebastian, Daniel, Alexander, David, Matthias, Edgar, Björn!
Danke HAUSEN-ZELL!
Der Bierbrunnen ist ab sofort belagert von Hallbergmooser Fans. Die erste Finalteilnahme seit dem Jahr 2000 muss schließlich begossen werden. Ein Anteil an der Hausen-Zeller Bundesligamatte wird vom SV Siegfried als Dankeschön gezeichnet. Während es draußen wie aus Kübeln anfängt zu regnen, ist das Team bereits in der Vorbereitung auf das Finale. Die Kampfprotokolle von unserem Finalgegner der SG Eichen-Rümmingen werden gewälzt und analysiert. Eines steht schnell fest, entweder die Klasse bis 42kg oder die Klasse bis 46kg kann der südbadische Vertreter nicht besetzen. Die Platzierungskämpfe beginnen. Der TSV Ehningen - der Verein mit den stimmgewaltigsten Fans in der Halle - besiegt den VfK Mühlenbach und wird Neunter, der SV Johannis Nürnberg sichert sich Platz 7 gegen AB Aichalden. In einem dramatischen Kampf unterliegt der Gastgeber RG Hausen-Zell dem Titelverteidiger KSV Köllerbach unglücklich mit 17:18 und belegt schließlich Rang 6. Und der KSC Hösbach ist schließlich vollends bedient. Zunächst das Finale verpasst, jetzt auch noch die Bronzemedaille durch eine 17:22-Niederlage gegen RV Riegelsberg.

16:30 Uhr: Die Mannschaften sind bereit zum Einmarsch fürs Finale. Gleich geht es los. Eines steht allerdings schon fest, die zweite Leidenschaft der Hallbergmooser kommt ins Spiel. Denn bei der Aufstellung haben wir uns leider verpokert. Die Klasse bis 42 Kilogramm, in der wir unseren stärkeren Ringer aufgeboten haben, lässt Eichen-Rümmingen unbesetzt. Hilft nichts, dann muss es so gehen! Alex Kessidis streicht wie schon erwähnt 4 Mannschaftspunkte kampflos ein. Thomas Kaufmann wehrt sich nach Kräften gegen den russischen Ringer Petr Podkovyrov, muss aber letztlich doch die Klasse des Neuzugangs auf Eichen-Rümminger Seite anerkennen. Stand 4:3. Dann der Kampf bis 46 Kilogramm. Und Michael Schmid legt furios los. Gleich die Wertung zum 1:0 gegen David Reisch. Kopfzug Schmid, 3 Punkte für Hallbergmoos, leider rettet sich der Gegner in die blaue Zone, ansonsten wäre die Überraschung schon perfekt gewesen. Schmid erhöht auf 5:0. Noch ein Punkt, dann wäre der Rundengewinn da. Doch der Gegner wird stärker. Macht Punkt und Punkt, holt auf und geht in Führung. Pulver schon verschossen? Es scheint so. Reisch, der schon fast auf den Schultern war, gewinnt doch noch diese Runde. Erneut ein starker Start von Schmid, doch er wird gekontert, kann sich nicht mehr befreien und verliert den Kampf entscheidend. Da wäre bereits mehr drin gewesen. Stand: 4:7. Weiter geht's mit dem zweiten russischen Neuzugang. Florian Gebhard, sein Gegenüber Vyacheslav Sugako. Schöner Beinangriff von Gebhard, Sugako möchte überstürzen, Gebhard hält ihn. TUSCH, nein, der Schiri sieht es anders, dennoch die 2:0-Führung. Dasselbe nochmal, TUSCH, erneut kein Pfiff des Unparteiischen. Das gibt's doch nicht. Und jetzt klappen auch noch die Überstürzer... 4:2, 4:4, 4:6, nein das darf nicht sein, erneut eine große Chance auf einen wichtigen Rundengewinn dahin. Chancenlos in Runde 2! Stand 4:10. 50 Kilogramm, Dominic Kurz, der im ungeliebten Freistil ein gutes Turnier ringt, gegen Artem Semenschuk. Beide Ringer riskieren nichts, warten auf den Angriff des Gegners. Die Zeit verstreicht. Noch 5 Sekunden, bevor es in den Zwiegriff geht. Angriff Semenschuk! Nein, da ist es passiert. Mit dem Schlussgong erzielt Semenschuk die Wertung. Jungs, aufwachen, es geht hier um den Titel!!! Runde zwei beginnt wie die erste. Doch Kurz macht jetzt mehr Druck und erzielt die 1:0-Führung. Jetzt nur nichts mehr abgeben! Rundengewinn geschafft. Und jetzt nochmal alle Kräfte mobilisieren! Auf geht's, Dominic! Doch wieder erzwingt der Gegner das Glück, um die dritte Runde und damit den Kampf für sich zu entscheiden. Stand: 5:13. Wie schon in den Kämpfen davor vertrauen wir auf die Stärken unserer Ringer in den Mittelgewichten. Noch ist der Kampf trotz dieses Rückstandes nicht verloren, auch wenn noch starke Gegner auf uns warten. Diese Einstellung versprüht auch Michael Prill, als er auf die Matte kommt. Wild entschlossen, die Wende einzuleiten, geht er ans Werk. Manuel Kingani wirkt wie ein Statist, während Prill seine Führung durch schöne Aktionen auf 6:0 ausbaut. Sauba Mike! Doch Runde zwei beginnt nicht so erfreulich. Bei einer Aktion am Mattenrand geben die Wertungsrichter 3 Punkte für den Gegner. An eine mögliche Niederlage von Prill denkt zwar niemand, zu souverän ist er in seinen Kämpfen aufgetreten. Die Maximalpunktzahl zu erringen, das wird allerdings ziemlich schwierig. Noch ein Punkt für Kingani. Das war's dann aber, mit einem wahren Kraftakt gewinnt Mike noch diese Runde mit 6:4. Durchatmen! Stand: 8:13. Bis 54 Kilogramm hat Michael Kopp, der sich wieder in den Dienst der Mannschaft gestellt hat, gegen Andrej Ryl keine Chance und verliert entscheidend. Stand: 8:17. Jetzt darf nichts mehr schief gehen, alle drei weiteren Kämpfe müssen wir gewinnen. Erneut ein Spitzenduell. Mathias Fritsch trifft auf den Favoriten Eugen Kapitanov.
Unbeeindruckt von dem Druck, der auf ihn lastet, zwingt Fritsch seinem Gegner mehr und mehr seinen Stil auf. Und dies geht auf. Rundengewinn mit 2:1-Punkten! Stark! Auch Runde zwei läuft wie die erste. Hoch konzentriert macht Fritsch da weiter, wo er aufgehört hat. Aus, Fritsch gewinnt auch Runde zwei mit 6:3-Punkten. Der Druck entlädt sich in Jubel, als er Trainer Karimi um den Hals fällt! Ganz starke Leistung! Stand: 11:17. 6 Punkte Rückstand bei noch zwei Kämpfen. Es ist klar, ein Hallbergmooser Ringer muss die Maximalpunktzahl erkämpfen. Dementsprechend motiviert geht Moritz Oberhauser, Deutscher Vizemeister A-Jugend bis 58kg, in den Kampf gegen Alexander Semisorov, Deutscher Meister A-Jugend bis 54kg. Und er legt los wie eine Furie. Sein Gegner weiß nicht, wie ihm geschieht. Wahnsinn! 6:0 Rundengewinn! Nochmal Gas geben, dann ist der Titel wieder ganz nah. Runde zwei beginnt. Kopfzug Semisorov, Oberhauser kontert, doch beim Versuch, Semisorov durchzudrehen, bleibt er hängen, Semisorov fixiert ihn, UNTERARM, nein, der Schiedsrichter sieht es wieder anders, kommt er nochmal raus? Raus Moritz! Tusch... Vorbei! Eine innere Leere befällt einen, soll es das gewesen sein? Die Realität holt einen ein, ja, der Traum vom DMM-Titel ist geplatzt. Moritz Oberhauser musste alles versuchen, war nah dran, leider hat es aber nicht gereicht. Stand: 11:21. Im abschließenden Kampf gewinnt Alexander Fritsch seinen Kampf gegen Grigorij Golynski mit 2:0/1:3/3:1 zum Endstand von 14:22.
Der anfänglichen Enttäuschung weicht schnell der Stolz auf das, was dieses Team erreicht hat. Klar möchte man nach dem Einzug ins Finale dieses auch gewinnen, als Sportler sicher noch mehr wie als Fan. Vor allem dann, wenn die Chance dafür auch realistisch ist, wie es in diesem Finale der Fall war. Doch wie viele Ringer gibt es, denen es vergönnt ist, in ihrer Karriere einen zweiten Platz bei einer Deutschen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft zu gewinnen? Einen Titel alleine zu gewinnen, ist sicher was besonderes, einen bei der Mannschaftsmeisterschaft etwas ganz anderes. Alleine ist dies nicht zu schaffen. Nur wenn das ganze Team funktioniert, ist ein derartiger Erfolg möglich. Siege für die Mannschaft einzufahren, sich mit seinen Teamkameraden freuen zu können, diesen Titel gemeinsam zu feiern, gibt es etwas Schöneres? Diese Fragen muss an dieser Stelle jeder für sich selbst beantworten.
Ich kann nur sagen - und jetzt kann ich wieder reden: 1-2-3-4- Vizemeister das sind WIR!
Dieses Ereignis wird so schnell niemand vergessen, ebenso wenig wie die Busfahrt zurück nach Hallbergmoos.
Mir hat es jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes die Stimme verschlagen, daher möchte ich auf diesem Wege nochmal meinen Dank für dieses geile Wochenende aussprechen. Dem Team möchte ich danken für die super Kämpfe, die ihr abgeliefert habt. Den Trainern für ihre akribische und unermüdliche Arbeit mit den Jungs. Der Vorstandschaft dafür, dass sie diese Reise mit ermöglicht haben. Sowie allen mitgereisten Eltern und Fans, ohne Euch wäre die Reise auch nur halb so schön gewesen, Wiederholung erwünscht! Danke auch an unseren Busfahrer, Danke Hanse für die sichere Hin- und Rückfahrt. Nicht zuletzt Danke Hoppe für deine Unterstützung!
Auf Euch alle und die ich vergessen habe: PROST!
Sonntag, 3. Mai 2009, 2:00 Uhr: Wir passieren die Ortseinfahrt Hallbergmoos. Die Reise geht zu Ende. An der Hallberghalle angekommen geht alles sehr schnell. Nach sieben Stunden Busfahrt wollen alle nur noch nach Hause. Auch ich. Um 2:30 Uhr zu Hause angekommen noch schnell eine Patrona Bavaria mit meinem Bruder zur Beruhigung, dann geht's ins Bett mit den Gedanken schon an nächstes Jahr, wenn es vielleicht/hoffentlich heißt: Einsteigen, Abfahrt nach Klarenthal!
Glückwunsch Jungs zum DMM-Vize-Titel! Den kann Euch keiner mehr nehmen!